Brücke

… auf der Brücke zwischen zwei (2) Ländern

oder :  

… für irgendwas muss es doch gut sein

mehrere Nationalitäten zu besitzen …

In der Türkei hält man mich manchmal für einen Deutschen
– in Deutschland hält man mich manchmal für einen Türken  – … und das ist gut so!

Ich will mich hier weniger mit dem beschäftigen, was die Anderen sich vorstellen;
jeder hat das Recht sich seine eigene Meinung zu bilden.
Vorurteile, die wohl jeder Mensch mit sich herum schleppt
lassen sich kaum durch einen Blog aus der Welt schaffen.
Vielleicht aber ist es mir möglich, dass einige dieser Vorurteile neu gewichtet werden.

Als jemand, der sich beiden Ländern und seinen Menschen gleich stark verbunden fühlt, möchte ich meine Sicht beschreiben um damit eine weitere Facette oder Perspektive anzubieten.

Meine Türkei …
das ist …

  • zuallererst die säkulare Türkei Atatürks, aber auch die kultur-revolutionäre Türkei Nazim Hikmets. Beide, Mustafa Kemal und Nazim stehen für die radikalen Umwälzungen während der Gründerjahre der neuen türkischen Republik.
    Eine Epoche, in der alles möglich, alles denkbar, alles machbar war, mit Ausnahme der Unterwerfung der Gesellschaft unter den Islam, der damals bereits für Rückschritt und stand und als nicht kompatibel mit einer modernen Gesellschaft.
  • die Geschichte des Scheichs Bedreddin,
  • Volkskunst eines Asik Veysel, die Kreativität des Undergrounders Erkin Koray und die psychedelischen Klangwelt von Baba Zula.
  • das Werk Ibrahim Balabans,
  • die Filmkunst von Yilmaz Güney und FATIH AKIN.
  • Literatur, Politik Aret Vartanyan

Diese, meine Türkei ist bunt, aufregend, pluralistisch, faszinierend und hat nichts mit der Sauertöpfigkeit und repressiven Vorstellungswelt der Islamisten zu tun, die sich heute anmaßen, Alles und Jeden gleich schalten zu wollen.

Mein Deutschland …
das ist …

  • natürlich der Humanismus der deutschen Aufklärer
    – für mich in seiner für damals wie heute wohl konsequentesten Ausprägung,
    nämlich der Person und dem Werk Max Stirners,
  • die Novemberrevolution von 1918 und Münchner Räterepublik,
  • Dietrich Bonhoeffer
    (und mehr will ich hier zu den unsagbaren 1000 Jahren nicht sagen)
  • die Bewegung der 68’er, die eine antiautoritäre war und sich wagte,
    eine Utopie zu formulieren,
  • das Land, das 2006 ein Sommermärchen erlebte,
  • Bert Brecht, die Künstler und Architekten der Bauhaus-Gruppe,
    der frühe Wolf Biermann, die Musik von Can und Kraftwerk oder
    von Alex – dem deutschen Rocker, der sich der türkischen Musik verschrieben hat.

Dieses mein Deutschland, ist bunt, aufregend, pluralistisch, faszinierend und hat nichts mit der Sauertöpfigkeit und repressiven Vorstellungswelt der Ewig-Gestrigen zu tun,
die sich immer noch anmaßen, Alles und Jeden gleich schalten zu wollen.

Hoppla, das klingt ja, als ob da mehr Gemeinsames ist zwischen
dieser Türkei und diesem Deutschland und eine Verbindung beider Seiten
gar nicht so unmöglich ist, wie man uns immer einreden will.

Ich habe das Glück, beide Seiten zu kennen, kann mich aus jeder Richtung diesem Verhältnis nähern und – auch das ist einfach nur Glück, jeweils das Beste für mich auswählen.

 

Ata Türk

 

 

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2 Kommentare zu Brücke

  1. Dine sagt:

    ich danke dir für diese Deine Einblicke und Eindrücke.

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